Bad Wildungen, 13.02.2026.
Pointiert, sachlich und auf den Punkt: Unter dem Motto „Klar denken, fair streiten“ hat das Regionalfinale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ am Gustav-Stresemann-Gymnasium eindrucksvoll gezeigt, wie sachlich fundiert und zugleich engagiert junge Menschen aktuelle gesellschaftliche Fragen diskutieren können. Dabei wurde deutlich: Politische Bildung lebt vom Austausch – und vom Ringen um die besten Argumente.
Nach dem musikalischen Auftakt der GSG-Schulband unter der Leitung von Daniel Galmarini eröffnete Schulleiterin Iris Blum die Veranstaltung und hob die Bedeutung einer lebendigen Debattenkultur für die Demokratie hervor. Regionalkoordinator Christoph Heise führte anschließend in die Regeln des Debattierens ein und stellte die Jury vor – dann gehörte die Bühne den Finalistinnen und Finalisten.
KI im Klassenzimmer – Chance oder Risiko?
Die Finaldebatte der Altersgruppe I (Klassen 8–10) widmete sich der Frage, ob Anwendungen mit künstlicher Intelligenz als Hilfsmittel in schriftlichen Prüfungen der Oberstufe zugelassen werden sollen.
Die Pro-Seite argumentierte, dass der Einsatz von KI den schulischen Alltag stärker an die Realität von Studium und Beruf anpasse und Schülerinnen und Schüler befähige, verantwortungsvoll mit neuen Technologien umzugehen.
Demgegenüber betonte die Contra-Seite, dass Prüfungen vor allem die eigenständige Leistung messen müssten. Der Einsatz von KI könne die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gefährden und grundlegende Kompetenzen verdrängen.
In dieser differenzierten und fair geführten Debatte setzte sich Jona Götte (Alte Landesschule Korbach) durch und belegte den ersten Platz. Klara Schultze-Ueberhorst (Gustav-Stresemann-Gymnasium) erreichte den zweiten Platz, gefolgt von Leni Wilke und Talat Aziz.
Nach einer musikalischen Einlage mit dem „Can Can“ von Jacques Offenbach und der Siegerehrung ging der Wettbewerb in die zweite Runde.
Wahlumfragen – Information oder Einflussnahme?
Im Mittelpunkt der Debatte der Altersgruppe II (Klassen 11–13) stand die Frage, ob die Veröffentlichung von Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen verboten werden soll.
Die Debattierenden machten schnell deutlich, worum es im Kern geht: um den Schutz freier Meinungsbildung – und um die Frage, wie viel Einfluss Zahlen auf demokratische Entscheidungen haben dürfen.
Die Befürworter eines Verbots warnten eindringlich vor Manipulation: „Umfragen könnten manipuliert werden und die Wahlentscheidung selbst beeinflussen“, betonte Finn-Luca Keil. Gerade kurzfristig könnten sie Wählerinnen und Wähler lenken – hin zu vermeintlichen
Gewinnern. Der sogenannte „Switch“-Effekt benachteilige kleinere Parteien und verzerrte das Wahlergebnis. Ziel sei es, „die kurzfristige Beeinflussung der Wählermeinung zu begrenzen“.
Die Gegenseite konterte ebenso entschieden: „Wer freie Wahlen will, muss freie Informationen bis zuletzt zulassen“, erklärte Anastasiya Subbotina. Ein Verbot sei nicht nur schwer umsetzbar, sondern auch ein Eingriff in demokratische Grundprinzipien. „Was ist besser – geprüfte Informationen oder ungeprüfte Spekulationen, die im Netz rumgehen?“, fragte sie gemeinsam mit Phoebe Stör.
Ihr Fazit: Weniger Transparenz schwäche Vertrauen – nicht Manipulation.
In dieser engagierten, aber stets fair geführten Auseinandersetzung überzeugte Anastasiya Subbotina (Alte Landesschule) die Jury und belegte den ersten Platz. Phoebe Stör (Gustav-Stresemann-Gymnasium) erreichte den zweiten Platz, Finn-Luca Keil (ebenfalls vom GSG) wurde Dritter, Samiya Id-Lefqih belegte den vierten Platz.
Mehr als ein Wettbewerb
Alle Gewinnerinnen und Gewinner wurden mit Urkunden, Büchergutscheinen im Wert von 25 Euro sowie einem Siegerpokal ausgezeichnet, die Frank Engelhardt in Vertretung der Waldeck-Frankenberger Bank überreichte. Darüber hinaus qualifizierten sich die Erstplatzierten für ein Siegerseminar Ende Februar in Marburg und die Landesqualifikation Hessen Nord am 10. März in Wetzlar. Von dort führt die jeweils Besten der Weg über das Landesfinale in Wiesbaden bis hin zum Bundesfinale in Berlin.
Doch entscheidender als Platzierungen war die Erkenntnis, die sich durch beide Debatten zog: Politische Urteilsfähigkeit entsteht nicht durch einfache Antworten, sondern durch fundierte Auseinandersetzung. Oder, wie es die Teilnehmenden selbst sinngemäß deutlich machten: Nur wer sich intensiv mit politischen Fragen beschäftigt, kann auch bewusst entscheiden.
Das Regionalfinale 2026 hat genau das eindrucksvoll gezeigt – klar im Denken, fair im Streit und stark in der Sache.
„Jugend debattiert“ ist eine Initiative des Bundespräsidenten und steht unter seiner Schirmherrschaft. Partner sind die Hertie-Stiftung, die Heinz-Nixdorf-Stiftung sowie die Kultusministerkonferenz, die Kultusministerien und die Parlamente der Länder. Das Programm wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Der Regionalwettbewerb Bad Wildungen/Edertal wird gefördert von der Waldeck-Frankenberger Bank sowie dem SI-Club Bad Wildungen.
Text: Christoph Heise
Fotos: Paula Rese
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