Beitrag vom: 19.11.2019 Kategorie: Willkommen

Zeitzeugengespräch: „Jüdisches Leben in Bad Wildungen“

 

Am Dienstag, den 5. November 2019 durften wir Herrn Gershon Willinger und Herrn Richard Oppenheimer an unserem Gymnasium begrüßen. Sie berichteten den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe Q3 von ihrer Familiengeschichte, die in Bad Wildungen ihren Ausgang nahm.

 

R. Oppenheimer erlebte den Zweiten Weltkrieg nicht selbst. Er erfuhr erst nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1988 von seiner ihm bis dahin verborgenen Familiengeschichte. Anfang der 2000er Jahre begann er dann intensiv mit seiner Recherche. In einem alten Schuhkarton, den seine Mutter ihm hinterlassen hatte, entdeckte er alte Fotos und Tagebucheinträge. Seine Mutter und Großmutter stammten beide aus Bad Wildungen und wurden von den Nationalsozialisten 1939 zunächst nach Kassel und von dort aus 1941 weiter in das Konzentrationslager Riga-Kaiserwald deportiert. Kurz bevor die Rote Armee im Oktober 1944 das KZ erreichte, wurden die Insassen des Lagers in das KZ Stutthof nahe Danzig gebracht. Im Januar 1945 wurde Stutthof evakuiert und die Häftlinge begaben sich auf einen Todesmarsch Richtung Deutschland. Ende Januar 1945 wurden sie bei einem Zwischenstopp von der Roten Armee befreit.

 

R. Oppenheimer konnte durch die detaillierten Tagebucheinträge seiner Mutter den Schülerinnen und Schülern die Bedingungen im Konzentrationslager und die unmenschlichen Qualen des Marsches durch das winterliche Baltikum nahe bringen. Nachdem seine Mutter und Großmutter von der Roten Armee befreit wurden, kehrten diese nach Bad Wildungen zurück in der Hoffnung, hier Verwandte und Freunde wiederzutreffen. Nachdem sich diese Hoffnung allerdings als vergebens herausstellte, emigrierte die Familie in die USA. Seine Mutter gab sich selbst das Versprechen nie wieder nach Deutschland zurückzukehren, doch zweimal brach sie diesen Schwur aus guten Gründen. Einmal nahm sie Kontakt zu einer alten Freundin aus Bad Wildungen auf und einmal sagte sie in einem Kriegsverbrecher-Prozess als Zeugin aus.

G. Willinger erlebte im Gegensatz zur R. Oppenheimer die Konzentrationslager noch selbst, wenn auch nur als Kleinkind. Sein Vater arbeitete im Palasthotel Bad Wildungen, welches nach den Ausschreitungen der Reichspogromnacht geschlossen wurde. Die Familie floh zunächst in die Niederlande, wurde dort allerdings nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht aufgegriffen und später depotiert. G. Willinger kam zuerst nach Bergen-Belsen und danach in das KZ Theresienstadt. Er verlor seine Eltern, welche von den Nationalsozialisten ermordet wurden, im Alter von zwei Jahren. Nach eigenen Aussagen hat er keine Erinnerung mehr an sie, konnte aber ihre Geschichte anhand von Dokumenten rekonstruieren. Er überlebte das KZ in einer Gruppe von circa 50 Kleinkindern, von denen die deutschen Behörden nicht eindeutig sagen konnten, ob sie Juden sein oder nicht.

 

G. Willinger hob im Anschluss an seinen Bericht besonders die Bedeutung der Stolpersteine in Bad Wildungen hervor, die zum Gedenken an seine Eltern gelegt wurden. Für ihn übernehmen sie die Funktion von Grabsteinen. Für G. Willinger ist Bad Wildungen ein Ort des Gedenkens.

 

Im Anschluss an die Vorträge der beiden Gäste gab es für die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit Fragen zu stellen. Auf die Frage, ob Herr R. Oppenheimer noch Geschwister habe, antwortete er mit einer kleinen Geschichte: Auf der Trauerfeier seiner Mutter fragte ein Freund einmal seinen Vater, warum die Familie nicht mehr Kinder habe. Sein Vater soll geantwortet haben, dass er es nicht verkraften könnte mehr als ein Kind zu verlieren, sollte sich die Shoah wiederholen.

 

G. Willinger machte deutlich, dass die Verantwortung für den Erhalt der Demokratie nun bei den Jungen Leuten liegt, die stets für eine offene Gesellschaft eintreten sollten. R Oppenheimer reagierte auf die Frage, ob sich die Geschichte wiederholen könnte, mit einem eindeutigen Ja und mahnte, dass wir nicht aufhören dürfen aus der Geschichte zu lernen.

 

Im Nachhinein beschrieben die Schülerinnen und Schüler das Erlebte als sehr intensiv. Mit Menschen zu reden, die direkt oder auch indirekt über ihre Familie die Geschichte erlebt haben, sei wesentlich eindrücklicher und bewegender, als einen Text im Buch zu lesen oder ähnliches. Am Ende des Besuchs stand ein eindeutiges Plädoyer der Schülerin und Schüler, ein Zeitzeugengespräch auch für die nachfolgenden Jahrgangsstufen zu ermöglichen.

Julian Timm

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